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Ingeborg Kuca im Interview: „Introvertiert ist nicht nur still und leise“

Ingeborg Kuca, Autorin und eine selbstständige Beraterin mit Schwerpunkt Talentmanagement, klärt uns in diesem Interview über Introversion am Arbeitsplatz auf. Warum sind manche Menschen geselliger als andere? Oder warum sind manche Menschen zurückhaltender, während die anderen nicht aufhören können zu sprechen? Wie Sie damit umgehen können, erfahren Sie jetzt.

(Wien,04.12.2023)

Könntest du dich zum Einstieg mal ganz kurz vorstellen? Was hast du vor deiner Selbstständigkeit gemacht und welche Leistungen bietest du aktuell an?

Ingeborg: „Zuerst einmal herzlichen Dank für die Einladung. Mein Name ist Ingeborg Kuca. Ich habe viele Jahre als Führungskraft im Controlling gearbeitet. Vor einigen Jahren habe ich berufsbegleitend mein Studium an der Siegmund-Freud-Universität absolviert Dann habe ich mich selbständig gemacht und bin jetzt als Unternehmensberaterin tätig. Ich biete sowohl Einzelberatungen als auch Workshops für Firmen an.“

Du hast ja neulich das Buch „Stille Stärken“ geschrieben. Wie genau bist du auf Idee für gekommen und warum genau dieses Thema?

Ingeborg: „Früher dachte ich, es läuft etwas falsch, weil es mir schwer fiel in einem „hitzigen“ Meeting das Wort zu ergreifen. Oder wenn ich mich abends lieber mit einem guten Buch zurückzog. Dabei habe ich all die positiven Eigenschaften gar nicht gesehen. Es ist aber wichtig, sich mit all seinen Facetten zu schätzen und authentisch zu bleiben. Ich möchte gerne viele Menschen dabei unterstützen das Wertvollste in sich zu entdecken – sich selbst.“

Kannst du uns etwas mehr darüber erzählen, wie die Menschen in deinem Umfeld auf die Idee zu deinem Buch reagiert haben? Hast du bei deinem Vorhaben Unterstützung erfahren und wenn ja, von wem?

Ingeborg: „Ich habe viel Unterstützung erhalten. Das wertvollste waren die unzähligen Gespräche. Mit meiner Schwester Doris, die dann ja auch das Layout gestaltet hat. Die fotografische Expertise von Barbara, die Interviews mit einer Moderatorin und den Journalisten. Mein Buch hat sehr von dem Austausch mit meinem Umfeld profitiert.“

Interviewerin: Mir gefällt auch bei der Zielsetzung diese Analogie zur Navigation. Hat es auch konkret jemand gesagt oder ist dir das selbst eingefallen?

Ingeborg: „Ich spreche gerne bildhaft und mit Metaphern. Ganz besonders wenn es darum geht Ziele zu definieren, ist der Vergleich mit einem Navigationssystem hilfreich. Denn in ein Navigationssystem kann ich eben nicht eingeben, wo ich nicht hin will.“

Interviewerin: In deinem Buch schilderst du den beruflichen Alltag eines Verlag-Büros und die Eindrücke erinnern uns sofort an eine typische, toxische Firmenkultur. Einen Herrn Dr. Griesam, den lebenden Alptraum für jeden Mitarbeiter durfte wohl jede/r von uns schon mal erleben. Was würdest du also sagen, inwieweit können negative Erlebnisse eine bereits relativ starke Persönlichkeit verunsichern oder dazu führen, dass man sich wieder in die gegensätzliche Richtung entwickelt?

Ingeborg: „Mehrheitlich introvertierte Menschen sind sehr reflektiert und suchen oft Schuld bei sich selbst. Hinzukommt, dass introvertierte Menschen auch nicht sehr konfliktfreudig sind und dazu neigen, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie so eine Auseinandersetzung hätten verhindern können. Das bedeutet aber nicht, dass diese Menschen dann still und leise sind und ich kenne auch introvertierte Menschen, die wirklich alles an sich abprallen lassen.“

Interviewerin: Was würdest du sagen, wie sieht erfahrungsgemäß die Verteilung in Teams aus? Ist die Mehrheit eher introvertiert oder extrovertiert? Gibt es überhaupt so etwas wie rein introvertiert oder extrovertiert?

Ingeborg: „Es gibt manche Studien und Bücher, die eine Ansicht vertreten, dass 20-30% der Menschheit introvertiert sind, aber letztendlich ist das Merkmal genauso verteilt wie alle anderen auch. Schon Karl Gustav Jung hat in den 1920er Jahren gesagt, dass es weder den rein introvertierten, noch den rein extrovertierten Menschentypus nicht gibt. Wir sind alle eine Mischung und es kommt darauf an, welche Eigenschaft überwiegend vorhanden ist. Außerdem spielen auch biologische Komponenten und das soziale und kulturelle Umfeld eine große Rolle. Jeder Mensch ist also in seiner Zusammenstellung einzigartig.

Ich finde es besonders toll, wenn sich die „Leiseren“ und die „Lauteren“ fusionieren. Das ist eine perfekte Synergie, weil sie viel voneinander lernen können. Da gibt es einerseits die Denker, die manchmal zu viele Szenarien im Kopf entwerfen. Und andererseits diejenigen, die umgehend handeln und tun, manchmal zu schnell. Es gibt also für mich nichts Schöneres als ein richtig schön durchgemischtes Team.

Interviewerin: In deinem Buch erwähnst du eine Situation, bei der die Hauptfigur Paulina, nach ihrem Scheitern auf der Buchmesse in eine Schleife aus wiederkehrenden Gedanken verfällt und da nicht mehr herauskommt. Du hast dann auch bildhaft ein paar Übungen dargestellt, die uns in solchen Situationen behilflich sein können. Würdest du uns mehr darüber erzählen?

Ingeborg: „Sehr gerne. Ich verwende da auch immer das sogenannte „Gedankenkarussell“, so als würde über dem Kopf quasi ein Karussell herumsausen und das kann eben nicht immer so leicht gestoppt werden. Im Kopf wird es dann richtig laut und es schwirren viele Gedanken herum. Ich nehme in solchen Situationen gerne die sog. „Kreativwürfel“ oder das Spiel Stadt, Land, Fluss oder was auch immer - es geht einfach darum, die Gedanken mit einer anderen Aufgabe zu beschäftigen, aber natürlich geht das oft nicht sofort. Ich kann jederzeit für mich entscheiden, wie lange ich in diesem Karussell noch verhaftet bleiben möchte. Heutzutage hat jedes Handy eine Timer-Funktion. Dann stelle ich den Timer auf z.B. 30 Minuten und diese Zeit gebe ich mir, solange darf dieses Gedankenkarussell noch rennen. Und dann entscheide ich mich aber bewusst dafür, dass es anders werden darf. Sei es jetzt, dass ich hinausgehe oder mich mit den Kreativwürfel befasse.

Interviewerin: Mir gefällt ein Zitat von dir, und zwar: "Wir schränken uns mit den Worten „ich bin“ ein und legen uns damit im wahrsten Sinne des Wortes selbst Ketten an die Hände". Damit trifft man gleich am Anfang des Buches ins Schwarze. Gleichzeitig gilt jedoch, dass eine Selbstkenntnis unvermeidlich ist. Wo liegt also deiner Meinung nach die Grenze bzw. der Unterschied zwischen „ich bin“ und „ich verhalte mich“?

Ingeborg: „Paulina hat sich lange Zeit nicht getraut hat, ihre Träume zu leben – dafür sei sie ihrer Meinung nach zu introvertiert. Damit legt sie sich aber Ketten an die Hand und verwehrt sich den nächsten Schritt, denn wir verhalten uns nicht in allen Situationen gleich. Auch bei Paulina merkt man z.B. bei einem Treffen mit einer vertrauten Freundin überhaupt nicht, dass sie leise und zurückhaltend ist, und in anderen Situationen hingegen schon. Hier ist die Selbstreflexion wichtig und dass man sich selbst beobachtet: Wie verhalte ich mich in welchen Situationen und wie ist der Kontext? Welche Menschen sind dabei und wer bringt mich dazu, mich zu verschließen und wer, hilft mir dabei mich zu öffnen? Das meine ich mit „ich bin“, damit zementiert man sich nur ein. Es ist viel ratsamer, sich auf die eigene Vielfältigkeit einzulassen und diese wertzuschätzen.“

Interviewerin: In deinem Buch arbeitet man auch sehr viel mit Visualisierung und du hast dabei auch ein Konzept entwickelt, die „Silent Muscles“. Was stellt das aber genau dar und wie könnte man das verstehen?

Ingeborg: „Die Silent Muscles stehen für mich für stille Stärken, die uns als Anker oder als Bild die Kraft geben können. Paulina ist es ja passiert, dass ihr die Worte in der Kehle steckengeblieben sind, und dann stellte sie sich bildhaft vor, wie sie mit diesen muskelbeladenen Armen dasteht. So ein Bild als Anker, wirkt sehr stark. Es verändert die Haltung und das gesamte Mindset. Es ist so, als würden dann wirklich plötzlich die Muskeln direkt aus mir hinauswachsen. Diese Silent Muscles kann man auch genauso wie die echten Muskeln trainieren und in meinem Buch erwähne ich auch die verschiedenen Techniken dafür. In Wahrheit hat man sich ja dieses „Stille und Zurückhaltende“ auch über viele Jahre antrainiert.“

Interviewerin: Du hast ja auch ganz viele Lehrgänge bei incite gemacht. Inwiefern hat dir dann das Feedback von anderen Leuten dabei geholfen, das Ganze zu entwickeln und vor allem auch die Kommunikation?

Ingeborg: „Ja, also für mich war jeder einzelne Lehrgang auf seine Weise hilfreich, weil natürlich in jedem Lehrgang auch andere Kolleginnen und Kollegen dabei waren. Mir haben sowohl die Lehrgangsinhalte, als auch die informellen Pausengespräche sehr auf meinem Weg geholfen. Besonders gut hat es mir gefallen, dass man bei den längeren Kursen auch das eigene Projekt mitnehmen konnte, und dieses im Rahmen des Kurses bearbeitet wurde. Durch das Brainstorming mit anderen Teilnehmer:innen und den Vortragenden konnte ich für mein eigenes Projekt sehr viel Inspiration gewinnen. Es ist inhaltlich aus diesem Input sehr viel Entstanden und Vieles davon setze ich bereits aktiv um.

Interviewerin: Hast du vielleicht sonst noch irgendwelche Social Media Kanäle?

Ingeborg: „Ja, danke für die Frage. Da muss ich auch wirklich sagen, dass eure Kurse (eCommerce) mir diesen Schritt immens erleichtert haben. Mein eigener Social Media Auftritt war für mich irgendwie nicht ganz greifbar und durch eure Kurse habe ich so einen so einen tollen Zugang bekommen. Nun bin ich mit den „silent muscles“ auf FacebookInstagram und Linkedin präsent.“

Interviewerin: Du berätst ja Teammitglieder unabhängig von der Hierarchie. Das bedeutet, dass sich dein Buch auch an die Führungskräfte richtet, jedoch im Laufe des Buchs darf der/die Leser:in die Geschehnisse bloß durch die Optik von der Mitarbeiterin Paulina wahrnehmen - was wäre daher deine Message an die Führungskräfte?

Ingeborg: „Zum Beispiel, dass eine zurückhaltende Person, die in einem Meeting sitzt und vielleicht nicht so viel mitspricht wie die anderen, nicht automatisch desinteressiert ist. Es ist vielmehr so, dass diese Person einfach nicht kann, weil bei ihr in so einer Situation so viele Gedanken im Kopf präsent sind, wie z. B.: Sage ich dann eh das Richtige? Passt das jetzt oder soll ich es vielleicht umformulieren? Wenn ich also als Vorgesetzte(r) solche Menschen im Team habe, ist es wichtig, sie im Vorfeld abzuholen und ihnen in einem Meeting den Raum zu geben, in dem man es z.B. entsprechend moderiert und explizite Fragen stellt.“

Interviewerin: Nun, wo ist dein Buch überall erhältlich und in welcher Form? Wie kann man außerdem einen Termin mit dir buchen?

Ingeborg: „Mein Buch ist grundsätzlich überall entweder als E-Book  oder als Softcover-Buch  im Buchhandel sowie auf meiner Website erhältlich. Dort gibt es noch viele andere Informationen, wie unter anderem meine Kontaktdaten. Die im Buch vorhandenen Übungsblätter kann man sich mit einem QR-Code von meiner Website herunterladen, damit man besser damit arbeiten, üben und diese eventuell auch ausdrucken kann. Eine Buchungsanfrage ist auch über meine Website  möglich.“

© 2023 | UBIT Akademie incite | Foto: Barbara Moser

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